TAGUNG: KULTUR DER SCHULE – SCHULE DER KULTUR

HERAUSFORDERUNGEN UND MÖGLICHKEITEN MUSIKALISCH-KULTURELLER BILDUNG IN DER GRUNDSCHULE

EINE VERANSTALTUNG DER OFFENEN JAZZ HAUS SCHULE E.V.

DONNERSTAG, 03. MÄRZ 2016


Musikalisch-kulturelle Bildung an der Grundschule wird heute immer stärker von non-formalen Bildungsträgern, wie z.B. Musikschulen, mitgestaltet. Diese Entwicklung, die durch die Ausweitung des Bildungsprogramms „JeKits - Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ auf ganz Nordrhein-Westfalen derzeit einen weiteren Schub erfährt, gibt Anlass, die tradierten Ziele, Konzepte und Routinen der beteiligten Akteure zu überdenken und neue Wege zu beschreiten. Schulen, Musikschulen und als Pädagogen arbeitende Künstlerinnen und Künstler sind aufgefordert, neue inklusive didaktische Konzepte zu entwickeln und einem veränderten Bildungsauftrag gerecht zu werden.
Im Rahmen der Tagung sollen im Dialog von Schule, Kunst und Wissenschaft Ziele, Herausforderungen und Möglichkeiten musikalisch-kultureller Bildung in der Grundschule ausgelotet und visionäre Perspektiven für die Zusammenarbeit von schulischen und außerschulischen Trägern entwickelt werden.


Termin: Do., 3.03.2016, 10:30 Uhr – 18:00 Uhr
Ort: Bildungswerkstatt, TH Köln, Campus Südstadt, Ubierring 48, 50678 Köln
Gebühr: 30 € [erm. 20 €]
Anmeldeschluss: 31.01.2016


PROGRAMM
DONNERSTAG, 3. MÄRZ 2016

10.30 Uhr Begrüßung
- Agnes Klein (Dezernat IV - Bildung, Jugend und Sport der Stadt Köln) Andrea Platte (TH Köln)
- Tilmann Fischer (Rheinische Musikschule)
- Rainer Linke, Ulas Aktas, Thomas Gläßer (Offene Jazz Haus Schule)

11-12 Uhr Impuls & Gespräch Schule der Kultur
- Max Fuchs (Akademie Remscheid)
- Heike Deckert-Peaceman (PH-Ludwigsburg)

12-13 Uhr Impuls & Gespräch Selbstbestimmung und Unterricht
- Anne Niessen (HfMT Köln)
- Matthias Schlothfeldt (Folkwang Universität der Künste Essen)

12-13 Uhr Impuls & Gespräch Inklusion
- Andrea Platte (TH Köln)
- Winfried Köppler (FH Frankfurt am Main)

13-14 Uhr Pause

14-15.30 Uhr Workshop Schule der Kultur
- Uschi Brockerhoff (GGS Schule Kunterbunt, Köln)
- Thomas Gläßer (Offene Jazz Haus Schule)

14-15.30 Uhr Workshop Selbstbestimmung und Unterricht
- Achim Tang (Offene Jazz Haus Schule, Köln)
- Christine Keune (GGS Manderscheider Platz)

14-15.30 Uhr Workshop Inklusion
- Thorsten Neubert (Offene Jazz Haus Schule)
- Franz Krönig (TH Köln / Offene Jazz Haus Schule)

15.30-16 Uhr Resümee
- Schule der Kultur: Heike Deckert-Peaceman (PH Ludwigsburg)
- Selbstbestimmung und Unterricht: Matthias Schlothfeldt (Folkwang Universität der Künste)
- Inklusion: Winfried Köppler (FH Frankfurt am Main)

16 – 18 Uhr Open Space
- Offene Arbeitsgruppen & Umtrunk


SCHULE DER KULTUR
In Zeiten von steigendem Lern- und Leistungsdruck, wachsender Heterogenität, gesellschaftlicher Desintegration und immer unplanbarer werdenden beruflichen Zukünften, wird kulturell-ästhetischen Bildungsangeboten häufig zugetraut, einen substantiellen Beitrag zu grundlegenden Bildungsprozessen - von der ‘ganzheitlichen Subjektwerdung‘ bis zum Erwerb ‘kreativer Schlüsselkompetenzen‘ und der Förderung ‘kultureller Teilhabe‘ - zu leisten. Die Vision der Kulturschule entwirft ein Bild von Schule als Kulturort, Lern- und Lebensraum, in dem die Künste zum Motor einer kulturellen Schulentwicklung werden. Die Öffnung von Schule durch die Kooperation mit externen Künstlern und non-formalen Bildungsträgern ist dabei zweifellos ein sinnvoller und wichtiger Schritt, der neue Möglichkeiten schaffen kann.
Um ein realistisches Bild von kultureller Schulentwicklung zu erlangen, sollen Konzepte schulischer Ordnung als komplexe, von institutionellen Rahmenbedingungen, vielfältigen sozialen und kulturellen Praktiken, kaum zu vereinbarenden gesellschaftlichen Ansprüchen und individuellen "Überlebensstrategien" geprägte Milieus diskutiert und kritisch befragt werden.
Was zeigt ein aktueller Blick auf die Kultur(en) der Schule? Welche kulturellen Gestaltungsräume haben Schulen? Wie kann ein Projekt wie Jekits eine kulturelle Schulentwicklung befördern?

SELBSTBESTIMMUNG UND UNTERRICHT
Das allgemeine Ziel der Förderung des gemeinsamen Musizierens, Singens oder Tanzens lässt weitgehend offen, wie diese gemeinsame Praxis im Unterricht konkret gestaltet werden soll. Im Sinne einer ernstgemeinten kulturellen Schulentwicklung sind deswegen auch pädagogisch didaktische Konzepte und Unterrichtssettings kritisch zu diskutieren. Das Hauptaugenmerk der Tagung gilt dabei dem Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Unterricht. Welche Formen des Lehrens und selbstbestimmten Musizierens und Musik-Lernens lassen sich im Rahmen des schulischen Unterrichts verwirklichen? Wie ist dieser Unterricht zu gestalten, damit das Ziel, ein nachhaltiges Interesse am aktiven Musizieren und Tanzen zu wecken, erreicht wird? Arbeitsweisen und Gestaltungsmöglichkeiten aus populärer, improvisierter und zeitgenössischer Musik gelten als privilegierte Ansätze. Aber wie sehen diese Ansätze in der Praxis aus und wie zeigen sich in der Praxis die anvisierten pädagogischen Qualitäten wie Schülerorientierung, Demokratisierung, Selbstbestimmung und Partizipation?

INKLUSION
Fragen nach kultureller Schulentwicklung und Formen der Selbstbestimmung im Musikunterricht lassen sich nicht diskutieren, ohne gesellschaftliche und politische Fragen und Zusammenhänge von Migration und kultureller Vielfalt einerseits und Desintegration und Benachteiligung andererseits zu thematisieren. Mit dem Begriff der Inklusion soll und muss danach gefragt werden, wie Schule heute den sozialen Verwerfungen und den benachteiligenden Realitäten, von denen gerade Familien und Kinder am stärksten betroffen sind, entgegenwirken kann. Wie können musikalisch-kulturelle Bildungsangebote und Förderprogramme wie JeKits zu kultureller Teilhabe beitragen und welche weiteren Rahmungen wären nötig?
Neben normativen Strukturen musikalisch-kultureller Bildung in der Schule – wer soll warum an was partizipieren – soll in der Diskussion eine differenzierte Perspektive auf die Ziele von Inklusion und kultureller Teilhabe entwickelt werden.

OFFENE JAZZ HAUS SCHULE
Einen wichtigen Bezugspunkt der Tagung bilden die Erfahrungen aus den Grundschulprojekten und JeKits-Kooperationen der Offenen Jazz Haus Schule. Die Offene Jazz Haus Schule führt seit vielen Jahren Kooperationsprojekte mit Grundschulen durch, in denen sie kompositorische, experimentelle und improvisatorische Ansätze, inklusive didaktische Konzepte und eine selbstbestimmungsorientierte Öffnung des Unterrichts verfolgt und die Kooperation mit Schule vielschichtig entwickelt.

DIALOG SCHULE – KUNST – WISSENSCHAFT
Im Rahmen des Vormittags werden alle drei Themenkomplexe und die Fragen, die sich an sie anschließen, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und im Gespräch mit allen TeilnehmerInnen kritisch diskutiert. Am Nachmittag finden drei parallele Workshops statt. An konkreten Beispielen werden die am Vormittag aufgewiesenen Fragen zu Visionen, Möglichkeiten und Herausforderungen musikalisch-kultureller Bildung in der Grundschule und kultureller Schulentwicklung in kleineren Gruppen praxisnah exploriert, diskutiert und bearbeitet. Ein Open Space gibt den TeilnehmerInnen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Perspektiven Raum, eigeninitiativ Austausch und Diskussionen zu gestalten.


Dr. Ulas Aktas & Thomas Gläßer (Offene Jazz Haus Schule)